„Als Züchterin ist für mich das schönste Erlebnis, wenn ich die neuen Welpeneltern beobachte und das Glück in ihren Augen sehe.“ – Interview mit Martina von den Happy Puppy Tower – Havanesern

Hallo ihr Lieben,

ich möchte euch auf diesem Blog die Gelegenheit geben, Havaneserzüchter/innen etwas näher kennenzulernen. Denn nichts ist wichtiger, als die Beweggründe einer Zucht zu verstehen, findet ihr nicht? Havaneser oder ganz allgemein Hunde, die mit Liebe, Geduld und (Sach-)Verstand gezüchtet werden, sind gesünder und verhaltensunauffälliger als Hunde, die in irgendwelchen Verschlägen oder Höfen groß werden und viel zu früh von der Mutter getrennt werden.

Das erste Interview durfte ich mit Martina führen, die seit 2006 unter dem Zwingernamen  „Havaneser from the Happy Puppy Tower“ züchtet. Martina kenne ich persönlich. Sie gehört zu den Züchterinnen, die ich immer wieder gern weiterempfehle. Sie ist sehr verantwortungsbewusst und liebt ihre Hunde über alles. In dem folgenden Interview könnt ihr euch selbst ein Bild machen.

Viel Spaß beim Lesen! 

Liebe Grüße, 

Denise

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Indra, fotografiert von (c) Sabine Gutzeit

Martina, kannst du kurz erzählen, wie du zu den Havanesern gefunden hast?

Für uns stand schon immer fest, dass, sobald es möglich ist, ein Hund unser Leben bereichern wird. Das ergab sich dann 10 Jahre eher als geplant. Einen Neufundländer zu uns zu holen, was mal mein Traum war, ging wohnungs- und führungs-technisch nicht, so haben mein Mann und ich uns, separat  voneinander, mit Hilfe eines Rassehundebuches , die Rassen ausgesucht, die am besten zu uns passen würden. Ich hatte da unsere langjährige Begleiterin, eine  kleine Mischlingshündin, die bei meinen Eltern lebte, mit Havigesicht und starken Hütehundeigenschaften  vor Augen. Mein Mann und ich hatten nur 2 Rassen aus dem Buch identisch ausgesucht. Den Havaneser und den Tibetterrier. Lange Haare sollten sein und Bewegungsfreude auch in höherem Alter  waren wichtig.. Zu der Zeit planten wir noch einige Flugreisen und so entschieden wir uns für den Havaneser, da man ihn mit in die Kabine nehmen kann. Wir haben uns dann genauer über die Rasse informiert, die in Deutschland seinerzeit noch nicht richtig bekannt war und haben uns die kleinen Quirle bei Züchtern in natura angeschaut. Was  für eine Begegnung —  kleiner Hund ganz groß !  Damals war es nicht einfach, einen Züchter zu finden, da es nur wenige gab und die Welpen teilweise vorreserviert waren. Schon in der 2. Zucht haben wir unser Traumhavanesermädchen  gefunden. Obwohl ich absolut keinen schwarz-weißen Hund haben wollte, hat unsere kleine Amy sich durchgesetzt. Sie sprang wie ein JoJo zwischen den anderen Welpen herum, hopste  genau in mein Herz hinein. Dort ist sie bis heute ganz fest verankert, seit nunmehr 12,5 Jahren.

Welche Eigenschaften liebst du an Havanesern?

Ich liebe an den Havanesern ihre Anhänglichkeit, ihr fröhliches drolliges Wesen, ihre Lernbereitschaft, ihre Solidarität, ihre Fähigkeit Liebe zu zeigen und zu vermitteln. Sie spüren sehr instinktsicher wie sich ihre Menschen fühlen , sind in der Lage Stimmungen aufzufangen, und versuchen Freude und gute Laune zu vermitteln. In der Form habe ich bei keiner anderen Rasse solche Beobachtungen machen können. Meistens verstehen sie sich mit anderen Tieren, sie waren sehr behutsam im Umgang mit unseren Meerschweinchen und sind offen und neugierig für andere Lebewesen.

Wann und warum hast du dich entschieden, Havaneser zu züchten?

Ich hatte nicht vor zu züchten und habe mich zuvor nie damit befasst. Zwar habe ich eine verantwortungsvolle Aufgabe gesucht , nachdem ich meinen Beruf aufgeben musste, aber alleine das Wort *Zucht* hatte für mich etwas Negatives an sich. Ich habe mich damals überreden lassen, Ciara auszustellen. Die Richter waren von ihr begeistert und ermutigten mich,  über das Thema nachzudenken. Zwei andere Züchterinnen bestärkten das. So begann ich mich  erst zurückhaltend, dann ausführlicher  zu informieren, zu recherchieren und bekam immer mehr Freude daran. Ich wollte die Freude, die meine beiden Hundemädels mir schenkten auch anderen zugänglich machen. Für ein Medizinstudium (Veterinär) war ich inzwischen zu alt, so konnte ich meine Liebe zu Tieren und Verantwortung in einer neuen Aufgabe ausleben. Der Rasse „Havaneser“ war ich derzeit schon verfallen. Natürlich hat es noch lange gedauert, bis ich so viele Informationen wie nötig und die Sicherheit das Richtige zu tun , erworben hatte. Ich hatte auch das ganz große Glück zwei sehr erfolgreiche und erfahrene  Havaneser-Züchter mit viel Wissen an meiner Seite zu haben. Bei den ersten beiden Geburten stand mir eine erfahrene Malteserzüchterin und Hundehebamme jeweils eine Woche zur Seite. Das was ich von ihr gelernt habe, kann kein Buch, keine CD und kein Seminar vermitteln.

Natürlich habe ich vorher auch Seminare besucht, Fachliteratur nur so verschlungen und intensive Gespräche mit anderen Züchtern geführt. Noch heute bin ich froh und dankbar, die Chance in der doch sehr gewöhnungsbedürftigen Züchterwelt bekommen zu haben. Ich bin auch kein Ausstellungsfan, gehe lieber mit meinen Hunden in den Wald. Trotzdem ist das für die Zucht meiner Meinung nach absolut wichtig und notwendig. Verbessern kann man immer etwas, ich denke da vor allem an gesundheitliche Aspekte. Meinen Zwingernamen *From The Happy Puppy Tower* und den Zwingerschutz habe ich im  Herbst 2006 beantragt und am 18.10 2006 erhalten.

HP
(c) Martina Quolke

Deine erste Zuchthündin war Ciara. Ich kann mich daran erinnern, dass sie eine ganz liebevolle Hundemutter war. Was ist dein schönstes Erlebnis gewesen, dass du mit Ciara als Hundemama teilst?

Ciara ist eine Havaneserhündin die schon lange und so verdient  in *die Geschichte der besten Hundemütter * eingegangen ist. Als ich anfing zu züchten ging ich von einer Wurfstärke von 3 bis 6 Welpchen aus. Unser A- Wurf ging als  Ciara´s 9 Wunder in unsere Zuchthistorie ein. Alle wunderschön ,gesund und munter. Mit  ihrem  2. Wurf , ein Jahr  und einen Monat später , schenkte sie 10 gesunden Hundekindern das Leben. Danach hatte sie 2 Jahre Pause und überraschte uns bei ihrem 3. und letzten Wurf mit den 11 munteren E-chen. Ciara war mit Leib und Seele Hundemama und ohne die Erfahrung wie glücklich und zufrieden eine Hündin die Aufzucht ihrer Kinder machen kann, wäre unsere Zucht wohl nicht die, die sie heute ist. Das ist absolut nicht selbstverständlich und nicht immer so. Ciara war nach ihrem 1. Wurf Rudelchefin und hat auch diese Aufgabe vorbildlich gemeistert.

Eines meiner schönsten Erlebnisse, es waren so viele mit Ciara, war folgendes: Ihre Tochter Eliza hatte,  als ihre 8 Babies ca. 2 Wochen jung waren, eine Eklampsie und nur eine schnelle Fahrt in die Tierklinik konnte ihr Leben retten. Sie musste den Tag über dort bleiben und es war schon klar, dass sie nicht mehr säugen darf. Ich habe tagsüber versucht die Kleinen mit der Flasche zu füttern, damit taten sie sich sehr schwer. Als wir abends aus der Klinik kamen, Eliza war wieder fit und durfte nach Hause, lag Ciara in der Welpenkiste und stillte die Kleinen. Ihr Gesäuge sah ganz furchtbar aus, aber auch ein Body hat sie nicht abgehalten immer wieder zu den Babies zu gehen, sie zu putzen, sie zu umsorgen. Am 2. Tag war sie so voller Milch, dass wir die Kleinen ran lassen mussten. Trotz der Schmerzen, wir versuchten ihr mit Retterspitzkompressen Linderung zu schaffen, war sie glücklich, dankbar und unermüdlich liebevoll. Sie hat die F-chen bis zum Ende der Säugephase ernährt und sich gemeinsam mit Eliza um die Erziehung und Körperpflege gekümmert. Noch letztes Jahr hat sie mit ihren 10 ½ Jahren die Welpen von Eliza und Indra mitgespielt. Ab und zu hat sie uns ihre Babies auch in unser Bett gelegt. Sie war sooo stolz darauf.

Wie viele Würfe habt ihr insgesamt im Jahr mit wie vielen Hündinnen?

Wir haben höchstens 3 Zuchthündinnen ( temporär) und haben 1- höchstens 3 meistens aber 2 Würfe pro Jahr. Natürlich bleiben unsere Hündinnen auch nach ihrer aktiven Zeit bei uns, auch wenn das mit sich bringt, dass wir ein paar Jahre nicht züchten können.

Worauf legst du bei deiner Zucht Wert?

Mein Fokus liegt auf rassetypischem, gesundem Nachwuchs. Ich verfolge keine Extreme, aber ich möchte unsere Hunde mit so wenig Chemie wie möglich  belasten. Das heißt gesundes artgerechtes Futter, so wenig wie möglich aber so viel wie nötig Impfungen, Entwurmung nur nach Befall, Parasitenbekämpfung auf möglichst natürliche Weise. Viel Bewegung an frischer Luft und keine Ausbeutung der Zuchthündinnen. Beide Eltern müssen von dafür prädestinierten Ärzten auf Erbkrankheiten untersucht sein und dürfen nur gesund in die Zucht oder zur Zucht genommen werden. Die Linien müssen zusammen passen, auch wenn die Farbe noch so schön ist und die Gesichtchen noch so süß sind ,  vorbelastete Linien möchte ich nicht in meinen Ahnentafeln haben. Das vermeide ich wenn ich es weiß strikt.

Wie viele Würfe gibt es in deiner Zucht pro Jahr?

Das kommt auf die Anzahl der Zuchthündinnen an. Meine Mädels dürfen 1 mal im Jahr Babies haben. Manchmal auch alle 2 Jahre, so kommen wir im Durchschnitt auf 1-2 Würfe. Es ist sicher nicht einfach, die Welpen, die man mehrere Wochen begleitet hat, wieder abzugeben.

Worauf legst du bei deinen Welpenkäufern wert?

Manchmal glaube ich, dass ich bei der Vergabe unserer Welpen zu pingelig  bin. Unsere Welpenkäufer müssen ebenfalls hohe Erwartungen an uns stellen, so wie wir es an sie tun. Ob eine Familie, Person geeignet ist, kann man erst im persönlichen Gespräch klären. Allzu starre Bedingungen habe ich eher nicht, es gibt zu viele fallbedingte Ausnahmen. Die Chemie muss auf jeden Fall stimmen und ich lege keinen Wert auf Menschen, die ihren Welpen abholen und nicht bereit sind, ab und zu mal von ihm und seinem Leben zu berichten. Leider wird man in letzter Hinsicht schon mal getäuscht. Vor allem aber müssen unsere  zukünftigen Welpeneltern erkennen, dass wir keine Ware verkaufen, sondern ihnen ein Stück aus unserem Herzen anvertrauen.

Hast du schon einmal Interessenten abgelehnt? Warum?

Oh ja , das passiert schon mal. Ja warum??  Weil wir angelogen wurden, weil wir denken, dass ein Welpe dort nicht den Stellenwert hat, den wir voraussetzen oder weil für uns die Vorstellungen vom Zusammenleben mit dem Hund inakzeptabel  waren.

Was war dein schönstes Erlebnis als Züchterin?

Als Züchterin ist für mich das schönste Erlebnis, wenn ich die neuen Welpeneltern beobachte und das Glück in ihren Augen sehe. Es ist einfach nur schön, wenn man beobachten kann, wie Hund und Mensch immer mehr zueinander finden und die Liebe von Woche für Woche tiefer wird. Das ist eigentlich der wirkliche Lohn für all die Mühe und die durchwachten Nächte. Natürlich ist auch eine gut abgelaufene Geburt einfacht tief bewegend und traumhaft schön.

Was war das schlimmste Erlebnis?

Das schlimmste Erlebnis bisher war die Geburt unseres D-Wurfes. Es war wie ein wahrgewordener Albtraum. 4 von 5 Babies mussten vor, bei und nach der Geburt über die Regenbogenbrücke gehen. Auch das Leben der Mama und ihres winzigen überlebenden Welpchens hingen am seidenen Faden. Wir haben Tag und Nacht gekämpft und gewonnen. Die Angst,  die Trauer, die Machtlosigkeit waren schlimm. Sehr schlimm.

Und natürlich war der Tod von unserer Ciara der traurigste Tag in all den Jahren , die wir mit unseren Hunden verbringen dürfen/durften. Sie fehlt, immer und überall, auch wenn sie in 2 ihrer Töchter, die noch bei uns sind,  weiterlebt.

Du züchtest seit 2006, hat sich das Züchten deiner Beobachtung nach im Laufe der Jahre verändert? Gibt es etwas, was dich stört?

Die Zucht von Havanesern hat sich in den letzten Jahren stark verändert und ich blicke mit großer Besorgnis in die Zukunft. Es gibt viele neue Züchter, ( natürlich nicht alle) die ohne Linienkenntnis vermehren, die ersten Früchte hat das leider schon getragen. Der Preis dafür ist hoch, die Havaneser sind  im Durchschnitt nicht mehr so gesund wie noch vor einigen Jahren. Auch der Trend zu immer kleineren, puppigeren Havanesern verheißt nichts Gutes. Die Menschen wünschen sich Zwerge, solche Teacup-Havaneser,  da zahlen sie auch viel Geld extra, die Konsequenzen werden nicht bedacht. Weder vom Züchter, noch vom Käufer. Ich habe Angst um diese wunderbare Rasse, immer mehr wird vom Ursprung weggezüchtet und irgendwann sind sie so krank wie andere Moderassen.

Liebe Martina, ich danke dir für dieses sehr persönliche und ausführliche Interview!



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Liebe Grüße,
Denise mit Alexa

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2 thoughts on “„Als Züchterin ist für mich das schönste Erlebnis, wenn ich die neuen Welpeneltern beobachte und das Glück in ihren Augen sehe.“ – Interview mit Martina von den Happy Puppy Tower – Havanesern

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