„Wir entlassen sie in die Welt, damit sie andere Menschen glücklich machen können.“ – Interview mit Silke Lagler von den Havanesern vom Wolfsanger

Hallo ihr Lieben,

ich habe heute wieder ein faszinierendes Interview für euch. Silke Lagler züchtet mit ihrer Familie in Kassel Havaneser (Havaneser vom Wolfsanger). Ich freue mich sehr über die Offenheit, mit der mir Frau Lagler begegnet ist.
In diesem Interview wird sehr deutlich, wie viel Arbeit eine gute, liebevolle Zucht ausmacht! Ich ziehe meinen Hut vor all den Züchtern, die so viel Zeit und Liebe und auch Geld investieren, um den späteren Welpenbesitzern einen Welpen zu übergeben, der mit den besten Voraussetzungen ins Leben gestartet ist.

Ich wünsche euch viel Freude mit dem Interview und den schönen Fotos von den Havanesern vom Wolfsanger!

Habt einen schönen Tag!

Denise

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Jolly June from the Happy Puppy Tower (c) Vera Hoffmann

Frau Lagler, wie sind Sie zum Havaneser gekommen?

Meine Tochter und ich wollten schon lange wieder einen Hund. Da zu der Zeit unser Grundstück noch nicht eingezäunt war, war ziemlich schnell klar, dass er möglichst keinen Jagdtrieb haben sollte. Mein Mann Heiko wollte keinen großen Hund, der „auf den Tisch gucken“ kann, also fanden wir uns relativ schnell in der Gruppe der kleinen Begleithunde wieder. Haaren sollte er auch nicht und so landeten wir beim Havaneser. Da die rassetypischen Eigenschaften und das äußere Erscheinungsbild dem entsprachen, was wir uns vorstellten, fiel die Wahl endgültig auf diese Rasse.

Wann und warum haben Sie sich entschieden zu züchten? 

Es gab viele kleine Schritte auf dem Weg dorthin… Unsere erste Hündin, Jolly, zog bei uns ein in der Vorstellung, sie im gekürzten „Welpenschnitt“ als kleinen, niedlichen Familienhund zu halten. Zu der Zeit ging ich noch an drei halben Tagen im Geschäft meiner Eltern arbeiten und konnte sie mitnehmen. Unter den Kunden fand sie sehr großen Anklang, was sich in dem Moment natürlich hauptsächlich auf ihr Äußeres bezog. Da wir es tatsächlich nie über‘s Herz brachten, sie schneiden zu lassen und sie daher im rassetypischen Zustand war, haben wir es einfach mal gewagt, sie auf einer Rassehundeschau anzumelden, um zu hören, was die Richter als „Fachleute“ von ihr halten. Wir bekamen super Bewertungen, und sind einfach zur nächsten Hundeschau wieder hin. Mehr und mehr kamen wir zu der Überzeugung, dass unsere Jolly rassetypisch im Langhaar-Style bleiben darf. Oft wurden wir auch angesprochen, ob wir nicht mit ihr züchten wollen. Da ich durch meine Teilzeitbeschäftigung die zeitlichen Möglichkeiten hatte, begann ich, die entsprechenden Seminare zu besuchen und mich fortzubilden. Die Zuchttauglichkeitsprüfung und alle entsprechenden tierärztlichen und labortechnischen Untersuchungen bestand sie mit Bravour, also war der Weg geebnet. Im Juli 2015 hörte ich auf zu arbeiten, um mich verstärkt um die Hunde, inzwischen war unsere zweite Hündin (Candy) eingezogen, und die Zucht kümmern zu können.

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Jolly June from the Happy Puppy Tower (c) Vera Hoffmann

Wir haben uns nicht einfach nur mit Erreichtem zufrieden gegeben, sondern gehen unseren Weg immer weiter. Viele Züchter hören beim Erreichen des nationalen oder internationalen Championats mit dem Besuch von Hundeausstellungen auf. Unsere Jolly läuft inzwischen in der „Weltschönheitsklasse“ und Candy hat gerade ihr „Internationales Ehren-Championat Silber“ erhalten, in allen Ausstellungen mit der Bestnote „V1“.

Ein Welpe aus unserem Wurf, Amiro vom Wolfsanger, war so vielversprechend, dass wir ihn seit Beginn an auf die Ausstellungen mitgenommen haben. Nicht nur wir sind begeistert von ihm, sondern auch die Mitaussteller und Richter. Er hat inzwischen alle Championate bis zu seiner Altersgruppe, von der Baby- bis zur Junghund-Klasse, und auf allen Ausstellungen wurde er mit den Bestnoten VV bzw. SG1 bewertet. Dieses Engagement erfordert natürlich viel Zeit, sind wir dadurch doch viele Wochenenden unterwegs.

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Amiro vom Wolfsanger (c) Heiko Lagler

Herzlichen Glückwunsch, das sind ja wirklich tolle Erfolge! Welche Eigenschaften lieben Sie an Havanesern denn besonders?

Wir lieben besonders ihre Menschenbezogenheit, ihre Anpassungsfähigkeit und ihre bedingungslose Liebe. Sie stellen keine besonderen Ansprüche und sind glücklich, wenn sie einfach nur dabei sein dürfen. Ist draußen tolles Wetter, sind sie vergnügt für lange Ausflüge zu haben, wenn es regnet, kuscheln sie am liebsten auf dem Sofa und sind mit ein paar Schritten zufrieden. Alles geschieht vor dem Hintergrund „Frauchen und Herrchen, wo Ihr seid, wollen wir auch sein!“. Wichtig war uns auch, dass sie kinderlieb sind, da meine Tochter zum Zeitpunkt von Jollys Einzug erst sechs Jahre alt war.

Auch wenn Havaneser ähnliche Eigenschaften mitbringen, haben sie doch ganz individuelle Charakterzüge. Mit welchen Hündinnen züchten Sie derzeit? Und welche Eigenschaften zeichnet die jeweilige Hündin aus?

Unser erster Wurf war von Jolly. Sie ist eine sehr sensible und empfindsame Hündin, eben unsere „Prinzessin“. Sie ist sehr vorsichtig und vom Wesen her eher ruhig. Bellen hat sie erst gelernt, als Candy hier eingezogen ist. Candy dagegen ist unser kleiner „Haudegen“, ein richtiger Wirbelwind. Sie ist wilder, forscher und fordernder, jedoch nie ohne ihr freundliches Wesen zu vergessen. Auch Candy darf nach Bestehen der Zuchttauglichkeitsprüfung im nächsten Jahr Babys bekommen. Da wir aber der Meinung sind, dass die Hündinnen in ihrem Wesen „gefestigt“ sein sollten, bevor sie gedeckt werden, haben wir aufgrund ihrer verspielten Art hier etwas länger gewartet.

Eine sehr verantwortungsvolle Entscheidung!
Im Oktober 2015 kam Ihr erster Wurf mit sechs Rüden auf die Welt. Was war der schönste Moment für Sie in dieser ersten Welpenzeit? 

Es gab so viele schöne Momente… die Geburt als solches oder wenn sich die Lider öffnen und man ihnen zum ersten Mal in die Augen schauen kann… was sich durch die ganze Welpenzeit hindurch zog, war das Gefühl des unbedingten Vertrauens, das uns Jolly entgegengebracht hat. Das hat unsere Bindung noch weiter gefestigt.

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Am Wochenende feierten die A-chens ihren ersten Geburtstag! Sind sie nicht hübsch geworden? (c) privat, Havaneser vom Wolfsanger

Wie lange bleiben die Welpen bei Ihnen und was lernen sie in dieser Zeit?

Unseren ersten Wurf haben wir mit 12 Wochen, Anfang Januar, abgegeben. Dabei spielte auch eine Rolle, dass unsere Welpen nicht als „Weihnachtsgeschenke“ unter dem Baum landen sollten. In dieser Zeit sind sie im Wohnzimmer, also mitten in der Familie, aufgezogen worden und haben alle alltäglichen Dinge mitbekommen, Staubsauger, Fernseher, das Silvester-Feuerwerk, Autofahren, Kinderbesuch, uvm. Da der Winter sehr mild war, durften sie ausgiebig den Garten erkunden. Ich habe einen Welpen-Buggy angeschafft und bin mit ihnen spazieren gegangen, damit sie Straßengeräusche wie Autoverkehr und  Straßenbahn oder verschiedene Bodenbeschaffenheiten zur Förderung des Gleichgewichtssinns kennenlernen.

Der Preis eines Havanesers von einem Züchter liegt etwa zwischen 900 und 1.500 Euro. Können Sie den Lesern erzählen, warum die Höhe dieses Preises gerechtfertigt ist?

Natürlich können wir das das! Grundvoraussetzung ist natürlich, eine reinrassige, entsprechend aufgezogene Hündin in optimalem Zustand zu besitzen, d. h. eine hochwertige Ernährung, optimale Pflege, viel Bewegung etc. Sie muss mindestens die entsprechenden Pflicht-Untersuchungen vorweisen können, in der Regel wird darüber hinaus etliches mehr untersucht und hierfür werden lange Wege in Kauf genommen.

Die Hündin muss mit entsprechender Bewertung aus- und zur Zuchttauglichkeitsprüfung vorgestellt werden. Die eigene Ausbildung muss unbedingt stimmen; entsprechende  Seminare sind über ganz Deutschland verstreut und müssen besucht werden. Es gibt kein Buch auf dem Markt, das man nicht irgendwann gelesen hat. Man baut sich ein Netzwerk zu erfahrenen Züchtern auf und bombardiert diese mit Fragen, um aus dem reichhaltigen Pool an Erfahrungen zu partizipieren. An dieser Stelle gilt mein besonderer Dank Frau Martina Quolke, aus deren Zucht „From the Happy Puppy Tower“ unsere Jolly stammt, und die für mich zu so etwas wie meiner „Mentorin“ geworden ist. Erst dann sollte man einen Wurf überhaupt in Betracht ziehen!

Ein verantwortungsvoller Züchter plant seinen Wurf bereits lange im Voraus… er sucht den passenden Rüden aus, nimmt Kontakt zum Besitzer auf und sieht die Papiere ein. Wenn das alles passt, nimmt man häufig lange Fahrtwege auf sich. Die meisten Hündinnen werden zwei Mal mit einem Tag Pause gedeckt, d. h. man fährt die gesamte Strecke doppelt oder nimmt zwei Übernachtungen im Hotel in Kauf. Der Deckakt als solches kostet bei einem entsprechenden Rüden natürlich auch entsprechendes Geld.

Während der gesamten Trächtigkeit muss die Hündin optimal versorgt und möglichst stressfrei gehalten werden. Die erforderliche Ausstattung muss angeschafft und für Folge-Würfe regelmäßig erneuert werden. Wenn die Geburt naht, steht ein Tierarzt in Rufbereitschaft, falls etwas schief gehen sollte. Ist dann alles gut gegangen, hat man als verantwortungsvoller Züchter einen 24-Stunden-Job.

Ich habe meinen Beruf dafür an den Nagel gehängt und verlasse während der ersten acht Wochen eines Wurfes das Haus nicht. Immer wieder kommt es vor, dass man von Müttern liest, die sich auf einen Welpen drauflegen und ihn dadurch ersticken. Die Welpengewichte müssen kontrolliert und aufgezeichnet werden, um Wachstum oder etwaige Veränderungen beurteilen zu können. Gegebenenfalls werden Welpen mit Welpenmilch aus dem Fläschchen zugefüttert. Die Wurfbox und später der Auslauf müssen den ganzen Tag über sauber gehalten werden, die Waschmaschine und der Trockner laufen quasi rund um die Uhr.

Auch die Welpen müssen optimal ernährt werden, wenn sie langsam von der Mama entwöhnt werden. Ab der vierten Woche geben sich hier die zukünftigen Welpeneltern die Klinke in die Hand. Es stehen Tierarztbesuche an, Impfungen, der Zuchtwart kommt ins Haus, die Chips zur Kennzeichnung müssen gesetzt werden, zwischendurch immer wieder telefonische Rückfragen von möglichen Interessenten. Die kleine Meute muss die Welt kennenlernen dürfen: sie sollen möglichst viel von Anfang an aufnehmen, damit sie sich irgendwann selbstbewusst von Mama trennen und als kleine, gut sozialisierte Welpen den Weg in ein hoffentlich langes und glückliches Leben antreten können. Hinter einem solchen Welpen steckt eben sowohl ein entsprechender Kostenapparat als auch jede Menge zeitlicher Aufwand.

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Candy from the Magic Gryffindor (c) Vera Hoffmann

Ihre Webseite ist wirklich ein Traum! Was mir besonders gut gefallen hat, ist, dass Sie die Entwicklung Ihres A-Wurfes so liebevoll dokumentieren, auch wenn alle bereits ein neues Zuhause gefunden haben. Wie wichtig ist es Ihnen, einen guten Kontakt mit Ihren Welpenfamilien zu haben?

Zuerst einmal danke für das Lob, das zum Großteil meinem Mann gebührt! Der gute Kontakt ist uns enorm wichtig… Wir haben diese kleinen Zwerge für 12 Wochen mit viel Herzblut zum Mittelpunkt unseres Lebens gemacht und den Auszug eines jeden einzelnen beweint. Aber die  Abgabe gehört nun mal zum Züchterdasein dazu.

Wir entlassen sie in die Welt, damit sie andere Menschen glücklich machen können. Über den ständigen Kontakt mit unseren Welpenbesitzern nehmen wir immer noch an ihrem Leben teil und es ist so schön, dass diese Menschen so glücklich und dankbar für diese Hunde sind. Wir sind als Züchter dafür verantwortlich, dass diese Hunde auf der Welt sind, und das ihr ganzes Leben lang und nicht nur bis zur Abgabe! Deshalb ist es für uns selbstverständlich, für alle Fragen oder Probleme stets zur Verfügung zu stehen.

Durch den ständigen Kontakt ist es nie zu einer Hemmschwelle in der Kommunikation gekommen, und so können wir uns weitestgehend darauf verlassen, dass sich unsere Hundeeltern mit ihren Fragen oder Nöten an uns wenden. So kommt z.B. auch mal ein verfilzter Hund zu uns und wird wieder fein  gebürstet, wenn der Besitzer die Fellpflege aus zeitlichen Gründen mal aus den Augen verloren hat. Wäre der Kontakt zwischendurch zum Erliegen gekommen, wäre der Weg zum Scheren beim Hundefrisör der wahrscheinlichere gewesen… und es ist schön für uns zu sehen, wie sie sich weiter entwickeln. Wir freuen uns über jeden Anruf und jedes Foto, das uns erreicht. Die Freude darüber, dass sie sich zu prachtvollen kleinen Havis entwickelt haben, ist viel mehr wert, als der an uns entrichtete Kaufpreis.

Ich danke Ihnen sehr für dieses herrliche Interview, Frau Lagler!

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Candy from the Magic Gryffindor (c) Vera Hoffmann

 Und hier könnt ihr die Havaneser vom Wolfsanger finden:

http://www.havaneser-vom-wolfsanger.de

https://www.facebook.com/havaneser.vom.wolfsanger


Kennt ihr schon die neue Auflage meines Havaneserbuches „Kubanischer Wirbelwind?“ Die zweite Auflage ist seit Juli 2016 erhältlich!

Mehr Seiten, mehr Themen, neue Bilder inklusive!

Jetzt für 21,90 Euro im Buchhandel!

Liebe Grüße,
Denise mit Alexa

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2 thoughts on “„Wir entlassen sie in die Welt, damit sie andere Menschen glücklich machen können.“ – Interview mit Silke Lagler von den Havanesern vom Wolfsanger

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